Aktuelles

Stadtgruendungstag im Alten Hof

Dienstag, 18.06.19

Aufloesung der Kriminalgeschichte aus dem Jahre 1394

Loesung des Kriminalfalls zum Stadtgruendungstag 2019
DIE ABENTEUERLICHEN GESCHICHTEN DES BAYERISCHEN MARCO POLO
1394 zog Johannes Schiltberger mit 14 Jahren als Knappe des Freisinger Ritters Reichartinger auf einen Kreuzzug. Die Tuerken standen an der Grenze zu Ungarn und Koenig Sigismund bat um Hilfe. Fuer diesen Kreuzzug, an dem Ritter vor allem aus Frankreich, Burgund, Polen und Bayern teilnahmen, gewaehrte Papst Bonifatius IX. den Verkauf von Ablassbriefen.
Gleich bei der ersten Schlacht 1396 wurde das Kreuzfahrerheer vernichtend geschlagen, Reichartinger verlor sein Leben und Schiltberger geriet in Gefangenschaft und musste von da an wechselnden Kriegsherren als Soldat dienen.
1427 kehrte er nach einer abenteuerlichen Flucht aus Sibirien ueber Konstantinopel (heute Istanbul) wieder in die Heimat zurueck. Dazwischen hatte er Arabien, Persien, China, Indien und die Mongolei durchquert und davon erzaehlt er den Kindern.
Nach seiner Rueckkehr tritt er in die Dienste von Herzog Albrecht, dem einzigen Sohn des regierenden Herzogs Ernst. Diesem berichtet er von seinen Abenteuern und Albrecht veranlasst ihn auch, diese niederzuschreiben. Gleichzeitig erlebt Schiltberger auch die tragische Liebesgeschichte von Albrecht mit der Baderstochter Agnes, welche mit deren Tod durch Ertraenken (1435) in der Donau endet. Erschuettert ueber die Gnadenlosigkeit des Schicksals quittiert er seinen Dienst am Herzogshof und zieht sich auf sein Landgut bei Freising zurueck. Sein Todesjahr ist unbekannt.
Unbeschadet dieser Nebengeschichten entfaltet sich der Kriminalfall durch die Erzaehlungen von Schiltberger aufs neue, da dieser in den Revolutionsjahren in Muenchen nie aufgeklaert wurde. Albrecht wusste davon auch nichts, da er zu der Zeit noch gar nicht geboren war. Aber nun beauftragt er den Hofkommissar Dingfelder mit der endlichen Klaerung.
Fast alle in den Fall involvierten Personen von damals leben noch, auch wenn sie nun nach ueber 30 Jahren nicht alles mehr erinnern koennen oder wollen. Aufgrund der Nachforschungen der Kinder geraten die meisten von ihnen in Verdacht. Am wenigsten der inzwischen alte und kranke Buergermeister Kazmair, am meisten der Stadtkommandant Barth, welcher den Transport durchfuehrte, die Waeschereibesitzerin Prangerl und vor allem die Hofdame Baronin von Biederstein (die damalige Maetresse von Herzog Ernst), welche die Kutsche ueber die Residenz dirigierte, obwohl der Weg zur Flosslaende an die Isar direkt kuerzer gewesen waere. Den meisten Verdacht erregte Hofkanzler Kuntz, nachdem der alte Kazmair am Hals seiner Tochter eine Perlenkette seiner Frau entdeckt hatte, welche er zur Zahlung fuer seine Ablassbriefe in die Truhe gegeben hatte.
Gerade als der Hofkanzler Kuntz sich zum Gestaendnis durchringt, dass er im Auftrag von Herzog Ernst gehandelt habe, oeffnet sich hoch oben am Affentuermchen der Residenz ein Fenster und dieser erscheint selbst. Mit lauter Stimme verkuendet er: Man haette ihn nur eher kontaktieren muessen, dann haette er den Fall schon laengst aufklaeren koennen. Schliesslich habe er die Rittersleute ausgestattet, mit Pferden, Waffen, Proviant und Zelten und dafuer habe er wohl rechtens fuer die Auslagen das Geld aus dem Ablassverkauf verwendet, im andern Falle er die Buerger von Muenchen erneut zur Steuer haette bitten muessen, was er ihnen aber ersparen wollte. Er kann nichts Unrechtes entdecken wider Papst und Gott und das Volk solle es ihm danken.

Hoert euch die Rede von Herzog Ernst an!

(Ausfuehrlichere Informationen auf Wunsch: Gerd Grueneisl, Kultur & Spielraum e.V.)

Auflösung Herzog Ernst
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